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Kirchort Sankt Gudula Rhede
Historische Pfarrkirche in der Stadtmitte am Markt.
von Josef H. Dalhaus
Herzlich willkommen in der katholischen St.-Gudula-Pfarrkirche in Rhede am Markt!

Dieser kurze Kirchenführer möge Ihnen helfen, unser Gotteshaus etwas näher kennenzulernen.
An dieser Stelle haben sich vor uns seit 900 Jahren zahllose Generationen von Menschen aufgehalten, um ihre Anliegen und Hoffnungen, ihre Gedanken und ihren Dank unserem dreieinigen Gott und Schöpfer betend und singend vorzutragen.
Informationen zur Historie der Pfarr- und Kirchenbau-Entwicklung von den Anfängen der Rheder Gudula-Kirchengeschichte bis zur Gemeinde-Fusion i. J. 2007 finden Sie hier auf einer eigenen Seite.
Die St.-Gudula-Kirche ist das älteste Gotteshaus in Rhede: Bereits um 1100 stand an dieser zentralen Stelle in der Ortsmitte ein romanisches Kirchlein, das 180 Christen Platz bot. Im engen Umfeld dieser historischen Gudulakirche, die in den Jahren 1435 und 1784 den wachsenden Bedürfnissen angepaßt und erweitert wurde, befand sich bis 1807 der kirchliche Friedhof, Kirchhof genannt, der die Toten unserer vorangegangenen Generationen aufnahm.
Ein sandsteinerner Zeuge aus dieser Anfangszeit ist der mit Bändern und Arkaden verzierte romanische Taufbrunnen (Bentheimer Typus), der seit 1996 wieder in unserer Kirche steht. Er wurde im 12. Jhdt. in Bentheim hergestellt und ist in ähnlicher Form noch in vielen Kirchen des norddeutschen Raumes zu finden. Über ihm sind bis zum Abbruch der Vorgängerkirche im Jahre 1898 über 700 Jahre lang Rheder Christen getauft worden.
Pfarrpatronin war von Anbeginn die heilige Gudula aus Brabant/Belgien (* um 650, + 8.Jan.712). Es ist das einzige Gudula-Patrozinium in Deutschland.
Mit dem heutigen Kirchbau wurde im Jahre 1898 begonnen, der bereits nach dreijähriger Bauzeit vollendet war. Die Einweihungsfeierlichkeiten fanden am 12. Juni 1901 statt.
Seinerzeit lebten in Rhede mit seinen amts- und kirchenangehörigen Gemeinden Altrhede, Büngern, Krechting, Krommert und Vardingholt ca. 4.500 katholische Christen. Im Münsterland war "man" katholisch zu der Zeit, im Amt Rhede waren es 99,4 Prozent der Bevölkerung.
Die Frage des Bauplatzes wurde lange Jahre diskutiert, bis der Kirchenvorstand sich 1893 entschied, unter Abriß der kleinen historischen romanischen Kirche in der Dorfmitte eine neue und größere Kirche zu bauen. Die kirchenübliche Ostung des Gotteshauses mußte trotz weiterer Abrisse in der Dorfmitte im Bereich der Kirchstraße aus Platzgründen aufgegeben und eine Kirchenwestung angesteuert werden. Der Bauplatz war mit 120 m Länge und 70 m Breite vorgesehen. Die Kirche sollte etwa 800 Gläubigen einen Sitzplatz bieten.

Gegen Ende des 19. Jhdts. hatte sich eine kunstgeschichtliche Wende durchgesetzt, wonach die klassizistische Neubaugestaltung zugunsten der neuen Form "Neugotik" weichen mußte. Der Kirchenvorstand beauftragte das in dieser Bauform hervorragend geeignete Architekturbüro Hertel in Münster mit der Planung und Realsisierung des Neubaues. Vorrangig war es Regierungsbaumeister Hilger Hertel der Jüngere, der hier sein neugotisches Meisterwerk setzte.
Die in den Jahren 1898 bis 1901 errichtete Kirche verbindet nach dem Vorbild der Trierer Liebfrauenkirche ein kurzes Langhaus mit einem sich zum Zentralbau weitenden Querhaus.Das dadurch vielfach verschachtelte Gebäude erhielt einen hohen Fassadenturm, der die Baumassen dieser dreischiffigen Hallenkirche zusammenhält.

Das Äußere der Kirche wird durch die auf einem Sandsteinsockel stehenden glatten, scharfkantigen Flächen aus roten Backsteinziegeln bestimmt. Die Verwendung weiterer Sandsteindetails trägt zur Auflockerung des mächtigen Baukörpers bei. Dreifach gestufte Strebepfeiler und die zwei- und dreibahnigen Maßwerkfenster gliedern die Außenwände. Auf der Ostseite unterhalb des Turmes befindet sich das doppeltürige Hauptportal; vier Seiteneingänge verschaffen kurze Wege zu den Sitzplätzigen der großräumigen Kirche. An der Südostecke ist neben dem Treppenturm die Sandsteinfigur des hl. Christophorus angebracht.
Im Innern bildet anstelle der sonst üblichen Vierung ein weiträumiges Oktogon das Zentrum der Kirche. Hohe Arkadenöffnungen erweitern den Zentralraum und führen ihm Licht zu. Den Besucher empfängt ein großer, freier, lichtgedämpfter Innenraum, der durch den wuchtigen Außenbau so nicht erwartet wird. Die schlanken Säulen aus rotem Sandstein verstellen den Blick kaum. Die Rückwand des Mittelschiffes mit Orgelbühne und Orgel öffnet sich unter einem Spitzbogen zur Turmhalle, deren Frontseite von einem großen, vierbahnigen Maßwerkfenster "Bergpredigt" eingenommen wird. Die kleine Marienkapelle an der Turmhalle wurde früher als Taufkapelle genutzt.

Der Bau von 1901 wird von Fachleuten als bedeutendstes Exemplar einer neugotische Kirche im Westmünsterland bewertet, auch wegen ihrer vorzüglich dazu passenden, kunsthandwerklich wertvollen neugotischen Innenausstattung, die weitgehend erhalten blieb. Auch die großartigen Farbfensterbänder haben den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden. Neben dem Hauptaltar, den zwei Seitenaltären (Marien- und Josefsaltar) und dem reichverzierten Chorgestühl haben sich von der Originalausstattung unter anderem noch zahlreiche Skulpturen, die Beichtstühle, die prachtvolle, aus Eichenholz geschnitzte Kanzel erhalten.
Ein besonderer Schatz der Gudulakirche sind die 25 großen neugotischen Fenster aus den Jahren 1901 - 1913 mit kostbarer Verglasung aus der Werkstatt Hein Derix, Goch und Kevelaer. In den Fenstern und Altären sind viele Gesetze der drei Rosenkranzgebete dargestellt.

Zudem wurden mehrere Kunstwerke aus der abgerissenen Vorgängerkirche übernommen: Im südlichen (linken), Maria geweihten Seitenaltar wurde als Hauptmotiv ein Relief aus dem frühen 16. Jhdt eingelassen, das den Tod Mariens darstellt, die umgeben ist von den zwölf Aposteln.
Wohl aus den Niederlanden stammt die in der Turmkapelle aufgestellte Figur der hl. Gudula. Die um 1520 entstandene bemalte Holzskulptur zeigt die Heilige in einem reichen Renaissancegewand in neuer Farbfassung.
Eine Reihe weiterer alter Kirchenschätze befinden sich heute im Museum Alte Kirche in Reken.

In den vergangenen vier Jahrzehnten wurde unter Federführung des fachlich vielseitig versierten und aktiven Pfarrers Karl Schüttert (*1932, Amtszeit von 1968 - 2007) das gesamte Kirchenbauwerk unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer, werterhaltender und funktioneller Aspekte außen und innen "generalüberholt" und den veränderten Bedürfnissen behutsam angepaßt. Die Arbeitsliste ist endlos; genannt seien hier nur:
Sicherung und Neueindeckung des Kirchendaches und des Kirchturmes sowie Sicherung des Glockenstuhls, neue Elektro- und Blitzschutz-Anlage, Einbau einer neuen Warmluftheizung und Plattierung, umfangreiche Ausbesserung des Außenmauerwerks und der Fenster. Der Kirchenraum mußte den Zielsetzungen des II. Vatikanischen Konzils (1962-65) angepaßt und dabei im Zentralraum ein neuer Altarraum auf einer das Oktogon aufgreifenden achteckigen Altarinsel mit Altartisch und Ambo aus weißem Carrara-Marmor gebildet, bei gleichzeitiger Neuorientierung der Bänkezuordnung; ein echtes Meisterwerk Rheder Handwerker. In den letzten Jahren wurden noch die mehrbahnigen 100 Jahre alten denkmalgeschützten Maßwerkfenster außen mit Goetheglas abgesichert.

Im September 1998 konnte die neue Seifert-Orgel (Kevelaer) eingeweiht werden. Sie enthält 52 Register, verteilt auf drei Manuale und Pedal mit 3.576 ! Orgelpfeifen. Auf dieser Orgel ist es möglich, sowohl die Musik der Barockzeit als auch die der Moderne wiederzugeben. Sie hat einen großartigen, mächtigen Klangaufbau. Die Spieltraktur ist mechanisch, die Register werden elektrisch angesteuert.

Durch besondere Spenden wurde der seit Ende des Zweiten Weltkrieges gehegte Wunsch realisiert, zu Weihnachten 2006 den Glockenstuhl um die im Geläute fehlenden Glocken zu ergänzen und dabei auch die histrorische frühere Stundenglocke ins nun siebenstimmige Geläute einzubeziehen; diese 1492er Glocke war hier gegossen worden vom weltbekannten niederländischen Glockengießermeister Gherhards de Wou. Die neue, nun größte Christusglocke galt als vorgezogenes Dank- und Abschiedsgeschenk für Pfarrer Schüttert. Das zu Festtagen erklingende vollständige
    Geläute besteht nun aus folgenden Bronzeglocken:
  1. Christusglocke [Festtagsglocke], Gewicht 2349 kg, Durchmesser 1,55 m, Schlagton c¹ +1(+), Gußjahr 2006;
  2. Marienglocke [Sonntags- und Totenglocke], 1432 kg, 1,32 m, es¹ ±0-, 1951;
  3. Josefsglocke, 1007 kg, 1,15 m, f¹ ±0, 1951,
  4. Gudulaglocke, 659 kg, 1,02 m, g¹ ±0, 1951;
  5. Schutzengelglocke [Angelusglocke], 355 kg, 0,81 m, b¹ ±0, 1951;
  6. Liudgerglocke, 372 kg, 0,82 m, c² ±0, 2006;
  7. Johannesglocke, 118 kg, 0,58 m, e² +8, 1492.
  8. Glocken 1 bis 6: Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock Gescher.


An dieser Stelle konnten nur wenige Aspekte zur Außen- und Innendarstellung der Kirche gegeben werden. Weiterführende, detailliertere Informationen entnehmen Sie bitte dem in der Kirche ausliegenden Kirchenführer von 2001, der für unsere Gäste aus dem nahen Nachbarland auch in niederländischer Sprache angeboten wird (3 €). Er stammt aus der Feder des Autors Heinz-Günther Wessels. Dort finden Sie auch den Nachweis der hier verwendeten Abbildungen mit den Quellenangaben; im wesentlichen stammen die hochwertigen Fotoaufnahmen aus dem Jahre 2001 vom Fotostudio Rösler in Bocholt.
Weitere Informationen zur 100-jährigen Geschichte der neugotischen Pfarrkirche St. Gudula 1901-2001 finden Sie in dem 224 Seiten starken Chronik-Band, reichlich bebildert, der von einer Arbeitsgruppe unter Schriftleitung von Josef H. Dalhaus im Juni 2001 veröffentlicht wurde (10 €, Pfarrbüro).
    Darüberhinaus weiterführende und von mir benutzte Literatur:
  • Wilhelm Rave, Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 46, Kreis Borken, 1954.
  • Ursula Ninfa, Bau- und Kunstwerke im Westmünsterland, Borken, 1999.
  • Geschichte der Stadt Rhede. Hrsg. Heimatverein Rhede, 2000.